Staubbeimischung könnte die schwachen Wasser-Eisbanden des interstellaren Kometen 3I/ATLAS erklären
Drei Webb-Spektren zwischen August 2025 und April 2026 deuten darauf hin, dass die Eiskörner des dritten bekannten interstellaren Besuchers klein und staubreich sind.

Der Komet 3I/ATLAS ist erst das dritte bekannte Objekt aus einem anderen Sternsystem, das unser Sonnensystem durchquert; die Partikel seiner Gashülle gelten als Hinweise auf die Bedingungen, unter denen er entstand. An diesem Besucher von außerhalb lässt sich prüfen, ob die eisigen Bausteine von Planeten in fremden Sternsystemen jenen der unseren ähneln könnten. Ein vom Southwest Research Institute geführtes Team um Dr. Silvia Protopapa hat dafür drei Beobachtungen des Nahinfrarotspektrografen NIRSpec am James-Webb-Weltraumteleskop ausgewertet, aufgenommen im August und Dezember 2025 sowie im April 2026, also vor und nach der größten Sonnenannäherung des Kometen. Die Spektren zeigen eine starke Absorption bei rund drei Mikrometern, die für Wassereis spricht; die für Eis ebenfalls typischen Banden bei 1,5 und 2,0 Mikrometern sind dagegen ungewöhnlich schwach oder fehlen ganz. Bei vielen Kometen unseres Sonnensystems treten alle drei Signale auf.
Um die Abweichung zu erklären, verglich das Team die Spektren mit Modellen zur Lichtstreuung unterschiedlich großer und zusammengesetzter Partikel. Am besten passen demnach Aggregate von höchstens etwa einem Mikrometer, die Wassereis mit Staub vermischt enthalten; in so kleinen, staubhaltigen Körnern legt das Licht nur eine kurze Strecke durch das Eis zurück, wodurch die schwächeren Banden unterdrückt werden, während die Absorption bei drei Mikrometern erhalten bleibt. Entscheidend ist damit weniger die Korngröße allein als die innige Vermischung von Eis und Staub. „Die Körner von 3I/ATLAS sind etwa so groß wie die in Kometen unseres Sonnensystems“, wird Protopapa zitiert; was sie zu unterscheiden scheine, sei der Staubanteil im Eis. Das Ergebnis beruht auf spektraler Modellierung, nicht auf einer direkten Aufnahme einzelner Eiskörner.
Auffällig ist die Nähe zu transneptunischen Objekten, also eisigen Himmelskörpern jenseits der Neptunbahn. Die Form des breiten Drei-Mikrometer-Bandes von 3I/ATLAS ähnelt mehreren dortigen Objektgruppen, besonders solchen mit Hinweisen auf Kohlendioxideis und organische Verbindungen; die Übereinstimmung betrifft jedoch die Wasser-Eis-Signatur, nicht das Kohlendioxid. Bei der letzten Beobachtung im April 2026 deuteten die Daten zudem auf eine zusätzliche Population etwas größerer, eisreicher Körner hin, die aber ebenfalls bei etwa einem Mikrometer liegen; ein schwaches Merkmal bei 3,1 Mikrometern passt zu kristallinem Wassereis. Ob sich die Eisstruktur selbst verändert hat oder nur Korngröße und Staubanteil, lässt sich bislang nicht entscheiden. Auch die zeitlichen Unterschiede könnten zwei Ursachen haben: eine je nach Beobachtungssituation unterschiedliche Erwärmung der ausgestoßenen Körner durch die Sonne oder neu freigelegtes Material, nachdem die Kometenoberfläche nahe der Sonne erodiert ist. „Beides ist möglich, und die Unterscheidung gehört zu den offenen Fragen, denen wir nachgehen wollen“, erklärt Dr. Michael Kelley von der University of Maryland.
Die Autoren benennen zugleich die Grenzen der Deutung. Die aus dem Licht abgeleiteten effektiven Korngrößen müssen nicht den ursprünglichen Größen der Eisbestandteile im Kometeninneren entsprechen; zudem verändern Strahlung, Einschläge und Erwärmung die Oberflächen transneptunischer Objekte im Laufe der Zeit. Ob 3I/ATLAS typisch ist, sollen weitere Webb-Beobachtungen von Kometen des Sonnensystems und neu entdeckten interstellaren Besuchern zeigen, ergänzt um präzisere Labormessungen. Die Studie ist in The Astrophysical Journal Letters erschienen.